Home > Vereinsgeschichte > Aktivitäten und Informationen
Home Sitemap
 
 
 
 

Aktivitäten und Informationen

Geschichte der Stadt Hornbach

 

 

Der Wanderbischof Pirminius gründete um 742 im Auftrag des Wernharius aus dem adligen Haus der Widonen, den Vorfahren der Salier, das Benediktinerkloster Gamundias (Gemünden). Am Zusammenfluss von Trualb (Hornbach) und Sualb (Schwalbach) entwickelte sich eine Siedlung, die wie das Kloster den Namen Hornbach erhielt.

Die Stadt Hornbach ist die früheste der nachklösterlichen Stadtgründungen in der Pfalz und entstand um das Kloster im „Tale zu Hornbach“. Sie profitierte von den mit Beginn des 9. Jahrhunderts einsetzenden Wallfahrten zum Grab des Heiligen Pirminius und den Reliquien des Märtyrerpapstes St. Fabian, dessen Gebeine nachweislich bereits 865 nach Hornbach kamen.

 

Eine Befestigungsanlage wird 1237 erstmals erwähnt. Von dem doppelten Mauerring, der die Oberstadt umgab, steht der größte Teil des inneren Ringes noch aufrecht. Von den einstmals fünf Türmen ist keiner erhalten und lediglich das Obere Tor, 1785 als klassizistischer Bau an Stelle des romanischen Stadttores errichtet, hat die Zerstörungen überdauert.

 

Die Wehrmauer war mit eiue der Voraussetzungen für die Stadtrechtsverleihung im Jahre 1352 durch Kaiser Karl IV. , zusammen mit Zweibrücken auf Bitten des Grafen Walram II. und zwar nach „Hagenauer Recht“.

 

Neben dem Marktrecht und einer sehr beschränkten Gerichtsbarkeit bedeutete dies allerdings nicht allzu viel an Freiheiten. Es ist bezeugt, dass erst 1579 Herzog Johann I. die Leibeigenschaft für die Hornbacher Bürger aufhob. Das war schon fast alles an städtischen Freiheiten, denn über dem Schultheiß stand ein von den Zweibrücker Grafen, später den Herzögen eingesetzter Vogt als unterste Gerichtsbarkeit.

 

Sitz dieser Vögte war vermutlich der an der Steißer Hof, rückseitig auf der Stadtmauer erbaut. Seine Anfänge gehen bis in romanische Zeit zurück.

 

Umbauten im Jahre 1595 fügten einen Treppenturm und Renaissance Fenster hinzu.

 

Nach Aufhebung des Klosters durch Herzog Wolfgang im Jahre 1559 wurde in dessen Räumlichkeiten eine Evangelische Landesschule gegründet in der in 4 Klassen der Pfarrernachwuchs und die Beamten für den herzoglichen Hof ausgebildet wurden. Es war dies für die Stadt sicher eine wichtige und wertvolle Einrichtung, die Studenten und Besucher in ihre Mauern führte. Ihre Verlegung nach Zweibrücken im Jahre 1631 bedeutete einen herben Verlust für die Stadt und ihre Bedeutung.

 

Die Stadt hatte aber noch weitere schlechte Zeiten zu überstehen. So wütete die Pest mehrfach und forderte hunderte von Opfern, von 1636 bis 1639 war die Stadt ohne Einwohner. Die Kriege Ludwig IVX. hinterließen ebenso ihre Wunden wie zuvor der 30-jährige Krieg  und die Besatzungen in der Zeit der Französischen Revolution.

 

-2-

 

 

 

Die Errichtung einer Markthalle 1576 kann als Beleg für eine Periode bürgerlicher Stabilität gedeutet werden. Das Gebäude wurde 1631 zur Kirche für die Reformierten umgebaut, um dann von 1700 bis 1786 als Simultankirche zu dienen, bevor es von 1786 bis 1931 den Katholiken als Pfarrkirche diente. Als Rathaus der Stadt seit 1948 blickt es auf eine sehr bewegte Vergangenheit zurück.

 

Verfall und Zerstörungen im Kloster erforderten den Neubau einer protestantischen Kirche, die 1784/86 auf den Fundamenten und mit dem Baumaterial der ehemaligen Basilika errichtet wurde und deshalb auch zu Recht den Namen Klosterkirche trägt. Der Turm wurde 60 Jahre später angebaut.

 

Nach einer Zeit der Konsolidierung hatte sich das Stadtbild bei Erhaltung originaler Bausubstanz des 18. Jahrhunderts ansehnlich entwickelt, bis das „Aufbauprogramm“ des Gauleiters Bürckel, mit einer Abrissorgie beginnend, große Schäden anrichtete. Auch Beschuss aus Richtung Bitsch  zu Kriegsbeginn 1939 hatte für einige Zerstörungen gesorgt.

 

Hornbach war 1945 zu 75% zerstört.

 

Erst die Sanierung und Umnutzung der Klosterreste in den letzten Jahren haben wieder für einen Aufbruch gesorgt und bedeuten eine wertvolle Bereicherung für die Stadt, die in der Vergangenheit viel alte Bausubstanz verloren hat.

***********************************************************************

Bericht zu dem Vortrag von Klaus Schwarz im PM / Sept. 2013

Erschienen im PM, 19. September 2013

WER WAR JOHANN NIKOLAUS GöTZ?

SPANNENDER VORTRAG DES HISTORISCHEN VEREINS HORNBACH - GEISTLICHES
AMT UND LEICHTIGKEIT DER VERSE

DER HISTORISCHE VEREIN HORNBACH HATTE AM DIENSTAG ZU EINEM VORTRAG
üBER DEN DICHTENDEN PFARRER JOHANN NIKOLAUS GöTZ EINGELADEN. 50
BESUCHER LAUSCHTEN IM HISTORAMA DEM VORTRAG DES STADTHISTORIKERS KLAUS
SCHWARZ.

HORNBACH. 50 Besucher mit Interesse an stadtgeschichtlichen Themen
kamen ins Historama, um über das Doppelleben des lutherischen Pfarrers
in Hornbach, Nikolaus Götz (1721-1781), fundierte Einzelheiten zu
erfahren. Referent war der Stadthistoriker und Beigeordnete Klaus
Schwarz.

Die strenge Kirchenordnung verlangte Anstand und Moral, die Welt des
Rokoko dagegen gab sich verspielt, locker und den Sinnesfreuden
zugewandt. So musste der Pfarrer heimlich dichten und konnte seine
Werke nur unter einem Pseudonym veröffentlichen. In der
Literaturgeschichte wird er als Anakreontiker geführt. „Die
griechischen Dichter Anakreon und Sappho schrieben von Frauen- und
Knabenliebe, Wein, Rausch und Heiterkeit, unser Rokoko kultivierte
diese antike Anakreontik", sagt Klaus Schwarz.

Da geht es dann mehr um Verspieltheit, um Erotik ohne Schlüpfrigkeit.
Götz war einer der angesehensten Dichter seiner Zeit. Seine wahre
Identität wurde erst kurz vor seinem Tod bekannt. Seine Lebensjahre in
Hornbach waren die glücklichsten, ohne Angst vor der Enthüllung seiner
Doppelexistenz. 1751 kam er nach Hornbach. Und begann zu dichten,
Josef Haydn vertonte seine „Harmonie der Ehe: O wunderbare
Harmonie/ Was er will, will auch sie". 1754 ging er nach Meisenheim,
1761 wurde er nach Winterburg im Hunsrück versetzt, wo er trotz
glücklicher Familie sich einsam und verlassen fühlte und 1781 starb.

Erst jetzt wurden seine Werke unter seinem richtigen Namen
veröffentlicht. Klaus Schwarz zieht Bilanz: „Der große Dichter
Horaz hat gesagt: Nützlich sein wollen entweder die Dichter oder
ergötzen. Und das ist unserem Hornbacher Dichter gelungen. Der
Konflikt jedoch zwischen den Einschränkungen und Verpflichtungen in
seinem geistlichen Amt und der Leichtigkeit seiner Verse und deren
hintergründiger Witz haben ihn zeitlebens belastet und seine Existenz
bedroht."

Heute ist er so gut wie vergessen. Zu Unrecht! Klaus Portscheller
wohnt in Hornbach und besucht immer wieder Vorträge des Historischen
Vereins. Ich kenne vieles von Götz, auch einige seiner
Gedichte, und finde es richtig, dass er wieder in den Blickpunkt
gerückt wird"._ fro_